Bevor die Deutschen als Wirtschaftswunder-Touristen leibhaftig am "Teutonengrill" Urlaub machten, war Italien längst ein Sehnsuchtsort: in ihren Vorstellungen und Wünschen, auf der Leinwand, in der Musik und nicht zuletzt auf dem Teller. Doch ging es dabei tatsächlich um Italien? Der Vortrag versteht die filmische Reise nach Italien als eine mentale Suchbewegung in der jungen Bundesrepublik. Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus wurde Italien zu einem imaginären Außenraum, in dem neue Formen einer zivilen bundesdeutschen Identität entworfen und erprobt werden konnten. Die Filme der 1950er Jahre eröffneten eine Welt des Konsums, der Freizeit und der Unterhaltung. Zugleich boten sie einen Raum, in dem sich gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen, Emotionalität, Körperlichkeit, Erotik und Sexualität neu ausloten ließen.
Der Vortrag fragt danach, welche Rolle die filmische Italienbegeisterung für die gesellschaftliche Selbstverständigung der frühen Bundesrepublik spielte – und was die Deutschen in ihrem imaginären Italien eigentlich suchten.
Vortrag im Rahmen des Programms der deutschen Botschaft 75 anni. Una storia che diventa futuro – 75 Jahre. Eine Geschichte für die Zukunft zum 75. Jahrestag der Wiederaufnahme der deutsch-italienischen diplomatischen Beziehungen.
20. Oktober 2026, 18.00–20.00 Uhr
Öffentlicher Vortrag in deutscher Sprache
Deutsches Historisches Institut in Rom
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